Zugehörigkeit

Es ist ein seltsames Gefühl, nicht dazuzugehören. Hab mich in meinem Leben oft verbogen, um dazuzugehören. Wahrscheinlich ist das normal.
Egal, ich schreib drüber.
Auch da habe ich das Gefühl, nicht dazuzugehören. Weil ich drüber schreibe.
Und dann schreib ich irgendwie anders. Über den Schäfer und über die Kleinstadt zum Beispiel. In feiner, alltäglicher Sprache, die leicht zu überhören ist. Das Politische in meinen Texten ist oft erst auf den zweiten Blick erkennbar. Vorher erscheint es vielleicht dubios. Man kann mich schlecht einordnen.
Ist das eine Lesung oder ein Theaterstück? Irgendwas dazwischen.
Sind deine Texte Fiktion oder biografisch? Irgendwas dazwischen.
Manchmal weiß ich es selbst nicht mehr. Woran das liegt? Weil ich in erster Linie eine faule Schreiberin bin. Ich schüttle meine Texte locker aus dem Handgelenk. Das führt dazu, dass ich manchmal nicht mehr weiß, ob ich die Dinge wirklich so sehe oder ob sie einfach nur unterhaltsam klangen in dem Moment.
Ich korrigiere auch nicht. Dafür bin ich viel zu träge. Mich langweilen alte Kamellen, meine Aufmerksamkeit liegt schon wieder auf neuen Dingen. Tja. So ist das.
Vielleicht kann ich mich auch selbst schlecht einordnen. Ich muss das lernen, denke ich. Sonst versuche ich die falschen Türen zu öffnen. Das, was ich hinter diesen Türen vermute, stell ich mir vielversprechend vor. Weil so viele an diesen Türen anstehen. Und dann öffnen sie sich ein Spalt und ich sehe, dass das, was dort wartet, sowas wie abgestandenes Wasser ist, mit dem gewaschen wird. Noch nicht mal frisches Leitungswasser. Oder Regenwasser.
Gerade wünsche ich mir einen Regen. Der die schalen Gefühle von mir wäscht, die mit dem Nichtdazugehören einher gehen.
Ein paar frische frische Regentropfen in meinem tauben Gesicht. Das wünsche ich mir.

Das Bild stammt von jemandem, den ich ein paar Minuten nachdem ich diesen Text geschrieben hatte kennengelernt hab. So ist das manchmal im Leben, denke ich. Da fühlt man sich nicht zugehörig und ein paar Minuten später sieht man Bilder, die einen daran erinnern, dass man sehr wohl zu jemandem gehört. Im Zweifelsfall eben zu sich selbst.

Bild: Jiří Hřebíček. Mit freundlichem Einverständnis.

Ragna

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