Zu blöd

Salut aus dem Elsass. Hab meine sieben Sachen gepackt und bin kurzerhand weggefahren mit den Pudels. Wir machen uns n netten Mädelstrip.
Hab ja letztes Mal gesagt, dass es mir momentan bisschen schwer fällt zu schreiben. Glaub das liegt da dran, dass ich weiß, wo ich mit dem Schreiben stehe. Irgendwo an der Kippe zwischen nettem Hobby und dass das was Gutes ist.
Wenn man Kunst macht, hat man mehr als seinen eigenen kleinen Kosmos zur Verfügung. Das kommt aber nicht von heute auf morgen. Da gehört schon n bisschen sowas wie Übung dazu. Und noch paar andere Sachen. Ich schreibe über meinen bescheidenen Kosmos. Mein kleines Leben ohne Schafe. Eine kleine Person, die in der Kleinstadt lebt. Unzufrieden mit den Umständen. Sich von Schmerz und Qual befreiend. Gesegnet mit einem reichen Mann und einem übermütigen Schafpudel. Zu blöd, ihn richtig zu erziehen. Zu blöd, um vernünftig zu arbeiten. Zu blöd, um bisschen cool zu sein. Im Herzen cooler als auf ihrem Instagramaccount. Im Kopf klarer als diese Nacht.
Sind in den Weinbergen. Mit besten Aussichten. Neben uns eine Burg. Der große Wagen fährt über den Berg auf der anderen Seite. So sieht es von hier zumindest aus. Vorhin sind wir noch auf der Schotterpiste stecken geblieben. Hab mir nur kurz Sorgen um Olivia gemacht. Meine Nerven sind wie Drahtseile. Die kluge Person wäre stolz auf mich.
Ich könnte mir Schreibunterricht suchen. Oder hundert Jahre schreiben üben, bis ich meinen nächsten Text öffentlich mache. Ja, das wäre ein Plan.
Das schönste Kompliment, das ich je bekommen habe: Du siehst aus, als wärst du aus einem Tolstoi Roman entsprungen.
Die mieseste Beleidigung, die ich je bekommen habe: Du bist peinlich. Das hat sie oft gesagt, die Gärtnerin, ja, ja.
Wir wissen alle, dass der eigene kleine Kosmos nicht das Problem ist. Geht ja nicht um das, worüber man schreibt. Ein andermal mehr. Der Text hat ne üble Eigendynamik.
Ich beende ihn hiermit.
Au revoir, bis zum nächsten Mal.

Auf dem ersten Bild siehst du, wie die Pudels und ich Spökes machen auf dem Weinberg.

Auf dem zweiten Bild siehst du, wie Olivia sich von der Fahrt erholt. Die Pudels gehörten zur Dekoration und zeigen sich von ihrer beste Seite.

Auf dem dritten Bild siehst du, wie wir in der Stadt im Elsass posieren. Wir versuchen ein bisschen Urbanität in die Veranstaltung zu bringen.

Ragna

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