Heute hab ich mal kurz den Faden verloren. Ich bin aufgewacht und habe zu mir gesagt, R. geh doch einfach zur Schauspielschule hinterm Berg. Viel weniger Stress, als jetzt irgendwie so nen elitären Hickhack zu machen. Mit elitärem Hickhack meine ich, bei den Leuten zu lernen, die mir was beibringen können. Ich war dann erleichtert.
Puh, habe ich gedacht, ich lege mich wohl besser in ein gemachtes Bett. Keine weiten Wege. Keine offenen Fragen. Einfach nur einmal über den Berg fahren. Ins gemachte Bett. Nette Leute.
Gute Texte und gute Tage bringen aber immer mal wieder Wendungen mit sich.
Ich habe mir dann vorgestellt, was der Schafpudel machen würde. Der Schafpudel würde sich niemals mit dem zweitbesten Schäfer begnügen. Nein, er nimmt sich, was er will. Er ist immer auf der Suche nach der Crème de la Crème des Lebens. Nach der größten Herausforderung und dem dicksten Knochen. Nicht, weil er verfressen wäre, nein. Er liebt die Herausforderung.
Ich habe heute mit der Pferdewirtin gesprochen. Sie wollte ihren Hengst zum Wallach machen. Ich kann sie verstehen. Er ist so ne Art Schafpudel in Form eines Pferdes. Wenn der Schafpudel ein Junge wäre, hätte ich wohl auch schon öfter über solche Maßnahmen nachgedacht. Zum Glück ist er ein Mädchen.
Jedenfalls lässt die Pferdewirtin ihren Hengst jetzt doch ganz. Ich finde, sie macht das toll mit den Wendungen. Wirklich.
Und ich lausche in mich hinein. Spüre meine Angst vor dem Unbekannten. Vor der Ungewissheit. Vor der Gefahr der eigenen Möglichkeiten. Vor der Größe der Welt. Ich zupfe am Vorhang des Vertrauens. Ich kratze an der Tür des Muts. An der Kürze des Lebens. Mit brüchigen Fingernägeln. Vielleicht hört mich jemand.