Da wollte ich zum Strand, mit den Pudels einen großen Strandspaziergang veranstalten. Wir parken Olivia, überstehen den Schock, der uns ereilt, als der Königspudel am Haus neben uns freudlich über die Mauer schaut, zücken die Kreditkarte, um unser Parkticket zu zahlen und – es beginnt wie aus Kübeln zu schütten. Panisch rennt der Schäfer in irgendeinen Hauseingang. Ich ziehe ihn mit den Worten, sei nicht so ein Weichei, weiter. 5 Sekunden später wird auch mir klar, dass das mit meiner Stoffhose keine gute Idee war und kehre in das nächstbeste Hotel ein. Wir bestellen einen Cappuccino, die Pudels bekommen lekka Hundekekse in Sternform. Ich greife zu Stift und Papier, schreibe diese Zeilen und stelle fest, dass der Regen wieder aufgehört hat.
Das nenne ich Timing. Immer mit der Welle surfen, denke ich. Das ist mein Lebensmotto geworden.
Ich habe ein Theaterstück aufgeführt und seitdem ist mein Leben etwas aus den Fugen geraten.
[Hier habe ich was gestrichen.]
Jedenfalls habe ich das Gefühl für mich selbst verloren. Deshalb schreibe ich einen Keineschafetext. Deshalb hat es begonnen zu regnen. Das würde zumindest der Schäfer sagen.
Er sagt viel in letzter Zeit. Zum Beispiel, dass er immer weiter reisen will.
Macht Laune, immer was Neues zu sehen, meinte er die Tage zu mir. Ich scheiß auf Schafe. Außerdem kann ich die Leute böse angucken, wenn sie sich Olivia nähern und du wirst nicht sauer auf mich. Richtig, sage ich. Deine Qualitäten als Wachhund haben endlich einigermaßen Sinn. Im nächsten Moment schreit der Schäfer eine Katze an, die am Horizont die Straße überquert. Dem Spitz ist das alles egal. Er meinte, er mag das leben auf Rädern, immerhin kennt er das aus seiner Zeit im Zirkus. Als ich klein war, wollte ich immer ein Zirkusmädchen werden. Be careful what you wish for…
Inzwischen ist die Sonne wieder da. Ich war ne Runde am Strand spazieren, hab mein Parkschein verlängert und bin wieder zum Strand. Es windet sehr. Um meine Ohren aufzuwärmen bin ich in eine Strandbar gegangen. Hier läuft laute Loungemusik. Ich trinke heißen Ingwertee. Draußen tobt das Meer. Der Himmel hat sich wieder zu einer weißen Wand zugezogen. Ich hätte auch nach Italien fahren können, aber nein, es musste schon wieder die Nordsee sein. Ich habe die Weite gesucht.
Vermutlich, damit mir wieder der Kopf frei gepustet wird von der Brise, damit meine innere Unruhe sich an den schönen Blau- und Grautöne beruhigen kann und damit ich wieder einen klaren Blick auf die Dinge bekomme. Hier ist sie, die Weite.