Vorläufige Zeit

Das mit der Zeit ist so ne Sache. Hab viele Jahre gedacht, du bist jetzt zu alt, um das zu machen, was du eigentlich machen willst. Gerade beim Schauspiel kannst du das gut als Ausrede nehmen. Indem ich das gesagt habe, ist noch mehr Zeit verstrichen.
Manchmal überkommt es mich und ich will, dass die Dinge schnell gehen. Am besten wären sie schon gestern passiert. Wer redet einem diesen Quatsch ein, habe ich mich gefragt.
Andererseits habe ich die Erfahrung gemacht, wie es ist, wenn man Zeit hat. Ganz akut. Zu viel. Als die Schmerzen richtig doll waren, hatte ich viel Zeit. Und ich konnte nicht sehr viel mit dieser anfangen, weil ich nichts tun konnte. Das war schlimm, aber schlimmer war das Gefühl, dass man seine Zeit doch nutzen sollte. Und alle anderen haben keine Zeit, weil sie so beschäftigt sind. Hab mich selten so blöd gefühlt.
Was ich in diesen Momenten nicht gemerkt habe – ich brauchte diese Zeit. Auch, wenn es sich furchtbar angefühlt hat. Sie haben mich weich geklopft, diese Moment. Mich zur Besinnung gebracht. Wir denken vermutlich manchmal, dass man sich mal kurz hinsetzen muss, bisschen Selfcare hier und da. Aber ich bin nicht sicher, ob das wirklich reicht, um sich zu orientieren. Bei mir hat es drei bis vier Jahre bisschen hinsetzen gebraucht. Aber vielleicht bin ich auch extrem langsam.
Wir haben das irgendwie in der Hand und irgendwie auch nicht.
Jedenfalls erinnere ich mich manchmal selbst daran, wie unterschiedlich das sein kann. Und wie viel leichter es ist, dem nächsten Ziel nachzujagen. Sich durch den Tag zu hetzen. Noch mehr erreichen zu wollen.
Ich habe zwei Tage Pause gemacht. Mehr oder weniger. Ich habe immerhin geputzt und so. Und ich war im Rhein schwimmen. Aber ich bin in erster Linie zur Ruhe gekommen.
Jetzt weiß ich wieder, dass ich Zeit habe, meinen Träumen zu folgen. Und zu träumen.

Der Text heißt „Vorläufige Zeit“, weil ich eigentlich was ganz anderes zu dem Thema im Kopf hatte. Vielleicht ein andermal. Oder der Titel wird geändert.

Auf den Bildern siehst du, wie ich eine Übung mache, bei der man sich ganz langsam bewegt. So richtig langsam. Der Surflehrer hatte sich Sorgen um mich gemacht. Ich habe ein Video davon aufgenommen und es dem Könner geschickt. Er fands super, glaube ich. Er meinte, ich soll das nicht zu oft machen. Wie oft, habe ich gefragt. Etwa zweimal Im Monat, meinte er.

Ragna

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