Hab ne Reise vor mir.
Sitze im Zug in die Schweizer Stadt meines Vertrauens und treffe dort den Fotografen. Der Fotograf wird mit mir den Film machen.
Ich habe die Bilder des Fotografen gesehen und gedacht, na sowas, das sieht ja aus wie der Film in meinem Kopf. Das habe ich dem Fotografen gesagt. Daraufhin meinte er, dass ich den Film doch bitte machen soll. Daraufhin habe ich ihn gefragt, ob er filmen kann. Bisschen, sagt er schüchtern. Das muss reichen, sage ich und frage, ob er den Film mit mir machen will. Er versteht es falsch und sagt ja. Er denkt, er solle Fotos für den Film machen.
Wir treffen uns in einem Lokal, das vollgepackt ist mit schreienden Kindern. Der Fotograf und ich brüllen uns über unseren Tisch hinweg an. Wir klären unser Missverständnis. Er macht den Film trotzdem mit mir. Er hat Sorge, dass er nicht gut genug ist, aber ich vertraue seinem Auge und meinem Instinkt.
Also habe ich begonnen, den Film aufzugleisen. Wie das Leben manchmal so spielt, habe ich in erstaunlich kurzer Zeit erstaunliche Menschen zusammenbekommen, die mit mir den Film machen wollen. Du denkst jetzt, ich habe ihnen das Blaue vom Himmel runter gelogen. Nein, habe ich nicht. Ich habe allen gesagt, dass ich keinen blassen Schimmer vom Filmemachen habe und dass ich das Drehbuch damals aus purer Verzweiflung geschrieben habe, weil ich endlich wieder Schauspiel machen wollte. Jedenfalls hat mir sogar der Schauspieler zugesagt. Hab gesagt, dass ich eventuell kein Budget habe, wenn der Geldgeber sich quer stellt. Er meinte, dass er das trotzdem machen will. Er hat mich beinahe angebettelt, den Film zu spielen. Ich hatte kurz gehofft, dass er nicht mitmachen will, weil ich dann eine Ausrede gehabt hätte, den Film nicht zu machen. Das habe ich ihm auch so gesagt, nachdem ich ihm stundenlang von meinen geliebten Linsennudeln erzählt hatte. Er hat gelacht. Ich habe gefragt, ob er mich für verrückt hält. Immerhin habe ich ihm damals auch gesagt, dass ich geträumt habe, dass er den Film spielt. Er meinte, nein. Oder dass er vielleicht selbst verrückt ist. Ich denke, er ist nicht verrückt. Ich mag ihn. Er hat Humor. Und er hat was Ehrliches. Vermutlich kennt er es, wie es ist, auf bestimmte Dinge reduziert zu werden. Das macht ihn anders als andere Männer.
Hab der Hebamme von der Geschichte erzählt. Sie meinte, dass sie das an mir liebt, dass ich so ungefiltert bin.
Eigentlich wollte ich etwas völlig anderes schreiben. Von der Reise, die ich vor habe.
Stattdessen habe ich über den Film geschrieben. Er drängt sich immer in den Vordergrund.
Vielleicht schreibe ich ein andermal drüber. Wenn ich in ein paar Tagen verreise, beispielsweise.
Das Bild hat der Fotograf gemacht. Es sieht aus, als wenn es aus dem Film wäre. Auch, wenn es ganz woanders spielt. Jemand hat gefragt, ob es bei Keine Schafe nur noch Bilder vom Fotografen gibt. Denke, seine Bilder sind bisschen schöner als meine. Könnte Bilder mit dem Fotografen machen, wo man den Schäfer und mich sieht.