Ich hab vorhin gesagt, darüber schreib ich. Jetzt weiß ich nicht mehr, was es war. Schreib trotzdem. Ich lass mir doch von meiner Vergesslichkeit nicht vorschreiben, ob ich schreibe oder nicht. Das wäre ja noch schöner. Ich geb es wirklich nicht gerne zu, aber Keineschafetexte sind beinahe meine Komfortzone geworden. Furchtbar ist das. Geradezu abstoßend. Das Leben muss jetzt schon andere Register ziehen, um mich aus der Reserve zu locken. Zum Beispiel muss es mich nach London schicken. Zum Lehrer. Der wird mich die nächsten Tage scheuchen. Hab mal nachgeguckt, von was das Wort Kunst abstammt. Leider wirklich von Können. Ich dachte immer, das sei ein Witz. Mein Freund hatte gesagt, dass das irgendwas mit nem Backofen oderso zutun hat. Hab dann schnell all meine Hoffnungen in Art gelegt. Das gleiche Trauerspiel. Nützt also nichts. Wir müssen das lernen, damit wir das irgendwann können. Wir wollen keine halben Sachen, nein.
Jedenfalls trete ich Ende der Woche in London auf. Hätte man mir das vor ein paar Monaten gesagt, hätte ich wahrscheinlich ziemlich gelacht. Haha, hätte ich gesagt, als ob. Nun, zumindest, wenn ich bis dahin durchhalte. Ich bekomme die letzten Tage weniger Luft und endlich funktioniert die Diät.
Ade, bürgerliches Leben, hab ich gesagt, lebe wohl. Endlich lerne ich einen Beruf. Meinen Beruf. Ihr könnt mich alle mal gern haben.
Entschuldigung. Es geht mit mir durch. Aber das kommt da raus, wenn man in der Komfortzone rum schippert, sag ich immer. Wir brauchen eine Kursänderung.
Zum Beispiel brauchen wir einen Skandal. Alle würden über mich schreiben. Ich wäre in aller Munde. Keineschafetexte würden zitiert werden und die Schulbücher füllen. Ich wäre auf allen Platformen vertreten. Ob Esoterik oder Sozialdemokratie.
Die Zielgruppe, ruft das Opossum. Der Skandal. Worüber schreibst du überhaupt.
Gute Frage, sage ich.
Darüber, wie es ist, keine Schafe zu haben. Was soll das heißen, entgegnet das Opossum. Das versteht kein Mensch.
Kann sein, sage ich.
Vielleicht wollte ich vorhin darüber schreiben. Dass es, wenn man dem Ruf der Schafe folgt, zwischendurch ganz schön einsam werden kann. Pragmatismus und Intellekt haben die Party bereits verlassen.
In diesem Sinne – see you soon!
Auf dem Bild siehst du mich und die Tower Bridge. Tower Bridge. Nicht London Bridge.
P.S. Bin nicht traurig. Klingt manchmal so, ich weiß. Aber eigentlich bin ich nie traurig, wenn ich schreibe. Nur so als kleiner Hinweis für die geneigte Leserin.
Tausend Küsse, hope to see you soon. Best regards Joram
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