Vor ein paar Tagen bin ich spät am Abend rausgegangen und quasi den Sternen entgegengelaufen. Ich glaube, das sah so aus, weil es stürmisch war und der Wind alle Unreinheiten weggeblasen hatte. Ich bin ihnen ein paar Schritte entgegengegangen und habe gedacht, wie kann etwas nur so schön sein. Ich liebe die Sterne und ich will keine klare Nacht in diesem Leben verpassen, wo ich nicht wenigstens einen kurzen Blick auf sie erhaschen kann. Sie waren also wie gesagt besonders nah und klar und der Himmel schwarz mit einem Hauch von warmem Dunkelblau.
Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich Schmerzen. Die Schmerzen waren so groß, dass ich meinen Körper verloren hatte. Er war weit, weit weg von mir. Oder ich von ihm. Ich habe ihn nicht gehasst, nein, dafür ist meine Erziehung zu gut. Man hasst seinen Körper nicht. Aber es war ein Gefühl, nicht in mir selbst zu sein, mich zu scheuen oder sogar verstecken zu müssen, weil mein Körper beherrscht war von Schmerzen. Über Jahre. Ich war Ende zwanzig und hatte mich damit abgefunden, dass mein Körper nicht mehr meiner war.
Dann habe ich begonnen, für meinen Körper zu kämpfen. Ich habe gesagt, es muss getan werden, was getan werden muss. Zwischen mich und meine Träume kommt nichts mehr. Und für meine Träume brauche ich meinen Körper. Also habe ich meinem Leben eine neue Richtung gegeben.
Ich hatte Hilfe. Vom klugen Menschen zum Beispiel. Und vom Schäfer, dem alten Gauner. Er hat meine Schwäche und mein Selbstmitleid umgebracht. Deshalb schreibe ich auch immer über ihn. Aus Ehrfurcht, aber auch, um mich zu rächen, weil ich ab und an auch gerne mal im Selbstmitleid baden würde.
Jedenfalls hat das alles dazu geführt, dass mein Leben Wendungen genommen hat, denn eines schönen Tages habe ich gespürt, dass ich meinen Körper wieder habe.
Ich habe sowas gesagt wie, jetzt reichts, ihr, die ihr mich für euch haben wollt, mir nicht vertraut und meine Grenzen nicht ehrt, rutscht mir den Buckel runter. Ich greife nach den Sternen.
Das hat dazu geführt, dass sich einiges in meinem Leben, wir sagen mal, verselbstständigt hat. Die Rente zum Beispiel ist unklar. Ich habe allerdings quasi auch den ein oder anderen produktiven Moment provoziert.
Manchmal muss man etwas riskieren.
Heute habe ich mit dem Fotografen Bilder gemacht. Ich kann wieder alleine reisen, Wasserkästen tragen, staubsaugen – und ich kann mit dem Fotografen Fotos machen, die aussehen wie von Klimt. Das sagt zumindest meine Mutter. Weil ich die Sterne gesehen habe und ihnen ein paar Schritte entgegengegangen bin.
Sterne