Hatte in letzter Zeit ein paar holprige Momente.
Manche sagen immer mal wieder, dass sie nicht ganz verstehen, worum genau es in meinen Texten geht. Vielleicht wird das Folgende helfen.
Jedenfalls führen holprige Momente bei mir in der Regel dazu, dass ich zunächst verzweifle und ich mich dann aber frage, was ich eigentlich will. Dafür gehe ich beispielsweise stundenlang mit den Pudels durch den Wald. Ich schreibe und oft greife ich in so einem Moment auch zu Büchern, die mir schon mal geholfen haben.
Also habe ich gelesen. Ich habe etwas gelesen, wo es darum ging, wie man seinen Träumen treu bleibt. Da hieß es, dass wir in einer Welt leben, in der man immer und immer mit (perfekten) Resultaten konfrontiert wird, dass aber der Weg dorthin wenig sichtbar ist.
Ich habe lange und viel darüber nachgedacht. Dann habe ich einen Keineschafetext geschrieben. Ich habe gedacht, ich brauche ein neues Kapitel. Keine Bühne ist durch.
Dann habe ich Bilder mit dem Fotografen gemacht. Er macht unscharfe Bilder. Die Leute sagen zu ihm, dass seine Bilder verwackelt sind und runzeln die Stirne.
Der Spitz mag seine Bilder. Er hat einen Sinn für das Schöne. Er ist jetzt auf einem zu sehen.
Nachdem ich die Bilder gesehen habe, habe ich viel über mich nachgedacht. Ich habe gedacht, kann man solche Bilder machen? Kann ich mich für Bilder ausziehen? Kann man das heutzutage wirklich bringen? Will ich dieses Bild von mir nach außen tragen?
Meine Oma hätte die Hände überm Kopf zusammengeschlagen.
Meine Oma war eine wunderschöne Frau. Als sie jung war und als sie alt war.
Sie wollte einst Schauspielerin werden.
Dann hat sie meinen Opa, einen wunderschönen Mann, geheiratet und viele Kinder für ihn groß gezogen. Die Kinder waren nicht ihre eigenen. Aktbilder habe ich von ihr nie gesehen. Sie hat aber viele Kinder großgezogen und ihren Garten in Ordnung gehalten.
Ich habe meine Oma geliebt. Aber Aktbilder habe ich von ihr nie gesehen. Ich habe sie auch nicht auf der Bühne gesehen. Sondern im Haus. Und im Garten. Im Sommer mit Sonnenhut, im Winter mit Mütze. Darunter ihre grauen Locken. Ich habe sie als Kind immer graue Sonne genannt. Und ich dachte, sie sei unsterblich.
Auf der Bühne habe ich sie nie gesehen.
Jedenfalls habe ich verschwommene Bilder gemacht. Die Bilder haben meinem Kopf Klarheit gebracht.
Ich habe die Bilder jemandem gezeigt. Diese Person hat sich weggedreht. Sie will mit den Bildern nichts zu tun haben.
Warum, frage ich? Ich höre Worte, die verschwommener sind als die Bilder. Die Botschaft dahinter ist klar.
Manchmal frage ich mich, ob alles, was offen lässt, alles, was in Bewegung bleibt, alles, was zart ist wie ein Blütenblatt uns große Angst macht. Weil wir Offenheit und Blütenblätter vielleicht schlechter festhalten können. Vielleicht.
Vor ein paar Tagen wollte ich nur noch weg. Die Zeit ist für einen Moment gerast und alles hat sich ganz langsam bewegt.
Das Erste, wonach ich gegriffen habe, war eine kleine Spitzenbluse. Eine zarte Spitzenbluse aus feinem, hellem Stoff mit dünnen Trägern und vorne drei feinen Schnüren zum Zusammenbinden. Danach habe ich noch drei andere helle Spitzenoberteile eingepackt. In den Tagen darauf hat es wieder geschneit, obwohl die Magnolie vor meinem Haus schon blüht.
Ich möchte mich für etwas aussprechen.
Für unklare Momente. Für Prozesse und Unfertiges. Für Berührungen. Fürs Zuhören. Dafür, dass meine zukünftigen Enkelkinder Aktbilder von mir in den Händen halten können, wenn sie wollen. Für Spitzenblusen. Für Freiheit.
Spitzenblusen