Meine Laune ist im Keller. Gut, denke ich, schreibe ich einen Keineschafetext. Ich finde es manchmal schwer zu sagen, ob sowas wie Selbstmitleid angebracht ist oder nicht. Ich neige dazu, zu schnell den Dingen das Positive abringen zu wollen. Das kritisiert beispielsweise die Pferdewirtin an mir. Andererseits kommt man so auch immer wieder relativ zügig vom Fleck.
Jetzt bin ich in ein Postreiseloch gefallen.
Ich bin wieder zurück in der Kleinstadt.
Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich ein Foto. Es hat einen Sepiafilter drauf. Manchmal ist es animiert. Eine vertikale Bewegung von oben nach unten, wie ein Flimmern. Einen Ton hat es nicht.
In Kerala habe ich einen Film gesehen. Alles hat sich bewegt. Der Film war laut. Immer. Und bunt. Viele Farben, Unregelmäßigkeiten, Unebenheiten, verschiedene Winkel und Formen.
Ich wusste nicht, wie statisch die Kleinstadt ist. Ich liege auf dem Sofa und bemitleide mich.
Weil es so kalt ist. Weil ich mal wieder all meine Kraft zusammennehmen muss, um weiter zu machen. In „Kurz nach Neumond“ gibt es den Satz, der lautet: Keiner fragt, keiner sagt: mach.
Genau so geht es mir gerade wieder. Nur, dass es dieses Mal alle Ebenen trifft. Ich freue mich auf den Tag, an dem ich all meinen Mut zusammennehme und euch davon erzähle.
Der Schäfer war übrigens extrem sauer, dass ich so lange ohne ihn verreist war. Er hat mich angebellt und sich dann vor mir versteckt. Vielleicht hat er sich selbst bemitleidet. Das erste Mal.
Jetzt liegt er neben mir auf dem Sofa. Sein Kopf auf dem gleichen Kopfkissen wie ich. Ich hab ihn sehr vermisst.
Auf dem Bild siehst du noch meinen letzten Ausblick in Indien. Ich habe dort geschrieben. Ich habe ein ganzes Buch vollgeschrieben. Auf dem anderen Bild drücke ich es an mich. Ich denke, es gibt schönere Bilder von mir als das. Aber ich drücke auf ihm an meinem letzten Abend in Indien mein Buch an mich.
