Schmutzige Hände


Die Tage hab ich mir gewünscht, keinen Schafpudel zu haben. Das ist mir schon lange nicht mehr passiert. Der Schafpudel zog und zog an der Leine. Und ich habe gesagt, das kann doch einfach nicht wahr sein, dass du so an der Leine ziehst, du ignorantes Biest. Ich kann nicht mehr.
Das ich kann nicht mehr kam mir lauter über die Lippen als geplant. Die Leute haben mir durch ihre Spitzengardinen verächtliche Blicke zugeworfen. Den Schafpudel hat es kaum interessiert. Der Spitz hat mit aufgerissenen Augen Feuer geschrien und wollte unbedingt zurück nachhause. Das mit dem Feuer hat er irgendwann mal aufgeschnappt, dass man das ruft und dass das besser wirkt, als Hilfe zu rufen. Er hat eine Schwäche für solche Dinge. Nun, ich habe mich über den Schafpudel geärgert. Und je mehr ich mich geärgert habe, desto bockiger wurde er.
Ich wollte keinen Schafpudel mehr.
Der Spitz hat neben seinem Sinn für die Gefahr auch einen exquisiten Humor. Er liebt gute Gesellschaft, leise Musik und er geht sogar gerne ins Museum. Außerdem hat er immer sauberes, flauschiges Vanillafell.
Der Schafpudel, der alte Gangster, spielt derweil lieber im Dreck oder haut der Katze eins über. Oder er versucht irgendwen mit seinem nassen Schlabberbart zu beeindrucken.
Ich mach jedenfalls gerade einen grandiosen Kurs im fernen Amerika. Da lerne ich, wie man Kunst macht. So richtig. Ich liebs. Aber am nächsten Morgen bin ich mir zu schade, mit dem Schafpudel im Dreck zu spielen, ich alter Snob. Und mein Freund mit seiner Dauerscheidung. Wer lässt sich schon so lange scheiden.
Ich will mir nicht mehr die Hände schmutzig machen. Nein. Nein.
Es gab aber eine Zeit. Da konnte ich mir nicht mehr die Hände schmutzig machen. Weil sie so weh taten. Und dann kam mein Schafi. Der hat mir gezeigt, wie das geht. So richtig. Ich liebs. Ohne ihn, würde ich das außerdem mit der Kunst nicht lernen, ich auf meiner Wolke.
Goethe hat da glaube ich mal was zu geschrieben. Man kann das also nachlesen, was passiert, wenn man keinen Schafpudel hat, der einen vor dem Zorn der Götter bewahrt.

Auf dem Bild siehst du, wie der Spitz und ich für den großen Auftritt proben.

Ragna

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