Bin aufgewühlt. Das Leben hat mir paar Herausforderungen vor die Tür gelegt. Nichts ahnend stehe ich morgens auf, um mit den Pudels um den Block zu gehen, da stolpere ich über ein riesen Paket.
Meine Angst vor Post beschränkt sich eigentlich auf Briefe. Ich habe eine regelrechte Briefephobie. Ich leere nie den Briefkasten, weil ich Angst habe, dass ich vergessen habe, eine Rechnung zu bezahlen, wie damals mit der Bahncard. Jedes Jahr vergesse ich mein Bahncard-Abo zu kündigen und dann kommt das Inkassobüro und will Geld von mir, das ich nicht habe. Oder ich befürchte, dass ich geblitzt wurde oder sonst irgendwie fahrlässig unterwegs war. Ich frage dann meinen Freund, ob er die Post für mich öffnen kann. Ich bin jedenfalls eine miese Administratorin. Mein Freund macht auch meine Steuern für mich. Nicht, dass ihm das Spaß machen würde, nein, bitte bekomm jetzt kein falsches Bild von ihm.
Jedenfalls wurde mir ein Päckchen geschickt, das bis oben hin vollgestopft ist. Man findet allen möglichen Krimskrams drinnen. Jedoch ist mir eine Sache besonders ins Auge gefallen. Die Frage, ob ich aus meinem Fehler gelernt habe. Welcher Fehler, fragst du dich jetzt. Ich würde sagen, ich habe in meinem Leben im Großen und Ganzen nur einen Fehler gemacht und zwar habe ich irgendwann mal aufgehört auf mich selbst zu hören.
Ich habe mir dann, wie du weißt, den Schäfer ins Haus geholt und der hat mir das in den Grundzügen wieder beigebracht. Dafür liebe ich ihn unendlich doll. Und für viele andere Dinge auch. Aber das ist eine andere Geschichte.
Um auf den Punkt zu kommen. Jemand will, dass ich eine gute Administratorin werde. War ich nicht. Bin ich nicht. Werde ich nicht. Wenn du die Legislative fragst, für die ich mal Assistentin war, werden die sagen, R. hatte gute Ideen und hat die Leute bei Laune gehalten. Sie hat tolle Artikel geschrieben und nett gelächelt und Kaffee getrunken. Aber sie hat keine Briefe geöffnet und auch das Büro nicht besonders sauber gehalten. Ihre Nachfolgerin hat als erstes alle Ordner sortiert.
Manchmal passiert ein Wunder und das Selbstwertgefühl kommt zurück. Weil der Schäfer einem das demonstriert hat, wie das aussieht. Und weil man seine Keineschafetexte wieder liest und bemerkt, dass man das alles schon hundert Mal aufgeschrieben hat.
Und dann muss man sich das Paket gut angucken und wieder zu machen. Man klebt es am besten zu und schickt es mit freundlichen Grüßen zurück an den Absender. Weil man den gleichen Fehler nicht noch mal machen möchte.
Auf dem Bild siehst du ein Foto, das mein Freund mit seiner neuen Analogkamera aufgenommen hat. Bei uns im Fotostudio. Er hat sich im Keller ein Fotolabor eingerichtet, wo er die Bilder, die er mit seiner Haselnusskamera knippst, entwickeln kann. Er lächelte jetzt öfter als früher und von mir gibt es viele schöne Portraits auf denen ich aussehe wie ein Hollywoodstar. Ich liebe mein Leben in der Kleinstadt.