20. März 2025: Place To Be
Hab meinen neuen Place to be gefunden. Irgendwo auf dem Berg am Wald ist ein Café. Wenn ich über etwas jammre, dann ist das die Tatsache, dass es in der Kleinstadt kaum Cafés gibt. Deshalb ist das eine kleine Sensation. Ich setze mich ins Auto und fahre einmal den Berg hoch. Gehe mit den Pudels eine Runde durch den Wald, wechsle meine Schuhe und klaube das Laub aus den langen Haaren des Schäfers. Die Pudels können es kaum erwarten, dass es endlich weitergeht.
Ich scheiß auf den Wald, pflegt der Schäfer zu sagen.
Meine Welt ist die Welt der Caféhäuser und Boutiquen.
Heute gab es keinen Knochen, weil mir Spitzens Vorfreude dermaßen übertrieben vorkam.
Wir benehmen uns, habe ich gesagt. Wir wollen uns an diesem Ort nicht unbeliebt machen.
Jetzt sitzen wir auf der Terrasse. Ohne Knochen. Beinahe unverschämt heiß scheint uns die Sonne ins Gesicht. Aber darüber wollen wir uns nicht beschweren.
Wir wollen uns, wie gesagt, eh nicht beschweren. Keine Schafe ist zurück. Alle sind happy. Nur meine Mutter meinte, dass meine Anglizismen eine Zumutung seien. Ich habe ihr versprochen, eine Art Wörterbuch anzulegen. Außerdem fand sie völlig daneben, dass ich in meinem FAQ sage, dass alle Personen fiktiv seien. Das hat auch die Hebamme bemängelt. Ich wollte sie nur schützen, aber man kann bekanntlich niemanden zu seinem Glück zwingen.
Das mit dem Glück ist eh so ne Sache. Manchmal hat man es und merkt es noch nicht mal. Oder erst hinterher. Ich denke zum Beispiel, was für ein Glück haben all die Leute, die einen Text schreiben können und dass ihnen die Arme davon nicht wehtun. Mir tun die Arme nicht immer weh davon, aber wenn ich vorher paar Mails verschickt und den Blog renoviert habe – schon. Auch zwei Tage später noch.
Hab da heute Morgen drüber nachgedacht. Hab gedacht, und das ist jetzt vielleicht nicht ganz nachvollziehbar – aber weiß ja dank Van Gogh, dass man nicht nachvollziehbar sein muss – dass man sich selbst nicht ernst genug nimmt. Gleichzeitig kann man nicht über sich lachen.
Meine Mutter meinte, Keine Schafe macht ihr Mut. Mut, die Dinge trotzdem zu tun. Sich von der geliebten Angepasstheit nicht ins Bockshorn jagen zu lassen.
Denn, was weiß man schon. Vielleicht gibt es kein besseres Leben, als mit den Pudels auf dem Berg einen Kaffee zu trinken und paar flotte Zeilen zu kritzeln.
Vielleicht ist das besser als in jedem Hollywoodfilm.
Dieser Text hat übrigens Karriere gemacht. Er wurde der Prolog bei der Premiere von „Kurz nach Neumond“, die am 24.05.25 im café hygge in Lörrach stattfand.