And don’t forget… Im also just a girl, standing in front of a boy, asking him to love her.
Anna Scott
Manchmal ist ein bisschen Zeit, um was von London zu sehen. Heute bin ich in Notting Hill. Hier könnte ich auch länger bleiben. Es ist sehr hübsch hier. Viele kleine Geschäfte, ein buntes Treiben, mit einer Portion bohemen Gemütlichkeit. Wenn ich hier leben würde, würde mich allerdings in kürzester Zeit niemand mehr wiedererkennen, weil sich mein Kleidungsstil radikal verändern würde. Es gibt eine tolle Boutique neben der anderen. Was das Herz begehrt. Und wie es mir immer so geht in solchen Situationen, ich leide unter einer Reizüberflutung und bekomme es nicht hin, strukturiert zu stöbern. Ich fälle in solchen Momenten seltsame Entscheidungen. Ich bin zum Beispiel hungrig aus dem Haus gegangen. Cafés und Restaurants, so weit das Auge reicht. Am Ende kaufe ich mir aus Verzweiflung bei einem nichtssagenden Sandwichstand am Ende der Straße einen Crêpes mit Käse und Pilzen und esse ihn gestresst im Gehen, weil die gut gekleidete Menschenmasse von hinten drückt und keine Rücksicht auf mich in meiner Jeans-Turnschuhe-Kombi und meinen Crêpes nehmen will.
Ich gehe dann in ein wenig hippes Café (da musste ich mich wenigstens nicht anstellen, um einen Platz zu bekommen) trinke einen Cappuccino und schreibe einen Text. Ich kleide mich vielleicht nicht wie eine Dichterin, aber wenn man genau hinschaut, wird man erkennen, dass ich eine bin.
Eigentlich wollte ich ein paar großartige Worte in diesem Text loswerden. Aber es plätschert so dahin, wie die Fußgänger in Notting Hill. So wird nichts aus dir, denke ich. Hochmotiviert bin ich losgezogen, um einen Text zu schreiben. So ist das manchmal, da hatte man erst mal andere Vorstellungen. Und dann kommt zum Beispiel jemand, der einen einfach nicht anerkennen will. Vielleicht, weil man nicht aussieht wie eine Dichterin aus Notting Hill, sondern wie ne unausgeschlafene Käsesahnetorte oderso. Und dann kommen die Zweifel. Und statt zu sehen, was der andere nicht sieht, zweifelt man eben an sich selbst.
Ich bin müde. Ich habe letzte Nacht auf den Sofa geschlafen, weil ich einfach kleiner bin als die anderen und irgendwie ist was bei der Zimmerplanung schief gelaufen. Keiner hat sich die Zeit genommen, um sich um die wesentlichen Fragen zu kümmern. Es gab ein bisschen Drama. Leider nicht auf der Bühne, sondern eben im Wohnzimmer. Meine Mutter meint, ich würde mich emanzipieren. Gut so, feuert sie mich an. Ich meine, ich wurde unfair behandelt und versuche, meine Grenzen zu wahren. Und als Strafe muss ich auf dem Sofa schlafen.
Manche Dinge kann man beeinflussen, manche nicht. Das war übrigens auch frei aus Notting Hill zitiert. Aber das andere Zitat, das vom Beginn, fand ich schöner. Schön war auch der Mann mit dem Jeanshemd und dem Pointer, den ich heute in Portobello gesehen habe. Verdächtig. Ich traue meiner Menschenkenntnis schon lange nicht mehr über den Weg.
Soviel dazu.
Hab einen schönen Tag!
Deine R.