Lieblingskind

Meine Mutter rief mich eben an und sagte, dass ich vorlesen soll. Nicht, dass sie so alt wäre, dass sie nicht mehr selbst lesen könnte. Nein, sie mag, was ich schreibe. Es kann sein, dass sie das nur so sagt. Ich bin nämlich glaube ich ihr Lieblingskind. Das habe ich ihr kürzlich klar gemacht. Immer und immer wieder habe ich gesagt, gell, ich bin dein Lieblingskind. Ich habe extra gell gesagt, weil sie das dann an ihre Heimat erinnert. Irgendwann hat sie mir zugestimmt. Ich glaube nicht, dass es aus Verzweiflung war.
Jedenfalls habe ich dann gesagt, dass ich nichts geschrieben habe heute. Da hat sie geschimpft mit mir, dass ich faul sei und sowieso einen schlechten Charakter hätte. Wie dem auch sei. Ich wollte das nicht auf mir sitzen lassen, weil ich ja ihr Lieblingskind bleiben will.
Auf dem Bild siehst du ihren Hund mit Lisa. Er heißt Patou. Er ist ein Pyrenäenberghund. Man nennt die Rasse auch Patou. Meine Mutter war schon immer kreativ mit Namen. Sie hat übrigens Schafe. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ragna

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