Sitze in einer Strandbar und lass es mir gut gehen. Habe mir einen cremefarbenen Pulli um den Nacken geschlungen und das laue Leben für mich entdeckt. Die Künstlerin meinte, ich sei eine wirklich außerordentlich nette Person. Soft and gentle meinte sie, um genau zu sein. Meine Stirn hat sich in Falten gelegt und mein Magen hat sich einmal umgedreht. Jemand hat mir relativ oft gesagt, dass ich so ungefähr das Gegenteil von soft and gentle bin. Ich hab das geglaubt, hab geglaubt, ich sei zu viel. Natürlich hat man verschiedene Seiten. Und natürlich lernen einen unterschiedliche Menschen unterschiedlich kennen. Aber der Schäfer sagt immer, es ist das Letzte, wenn man den Kern der Sache verfehlt. Jedenfalls habe ich beschlossen, es mir gut gehen zu lassen. Ich kann im Grunde auch gar nicht anders, weil ich fit werden muss für meine nächste Aufführung. Niemand will mir zuhören, wenn mir die Nase läuft und die Stimme belegt ist. Deshalb bin ich an die Nordsee gefahren. Ich könnte hier leben, habe ich gedacht. Das Licht ist toll, die Luft frisch, die Farben der Natur dezent, ein bisschen ausgewaschen, zufällig. Sie passen in die Farbpalette der Pudels. Gut, mit der Sprache müsste ich mich anfreunden, aber man gewöhnt sich bestimmt dran. Gestern hatte ich Hunger. Ich bin in ein tolles Restaurant gegangen und habe den teuersten Fisch und den teuersten Nachtisch, eine Waffel mit Obst, bestellt. Ich habe noch nie so viel für ein Essen für mich alleine ausgegeben. Noch nie. Und dabei habe ich daran gedacht, was die Künstlerin gesagt hat. Ein paar Mal musste ich beinahe weinen in den letzten beiden Tagen. Weil das Essen so lecker war. Weil der Schäfer in den Dünen seinen Kopf auf meine Schulter gelegt hat. Weil der Sonnenuntergang so schön war. Weil ich einen Frieden damit gefunden habe, dass jemand eine Tür bei mir geöffnet hat – und vielleicht nicht mehr. Weil es Keine Schafe gibt. Weil es die Großstadt gibt. Weil das Meer so weit ist. Weil ich gespürt habe, dass mich jemand gesehen hat. Weil ich mich noch nie so wenig einsam gefühlt habe wie gerade. Weil die Luft so rau und frisch ist. Und trotzdem fühle ich sie – im besten Sinne – lau.