Ich habe eine schlechte Angewohnheit. Ich hab wahrscheinlich sogar mehrere. Aber eine sticht hervor. Ich denke immer, dass ich wüsste, was für andere gut ist. Das Problem ist, dass ich ab und an damit schon richtig lag.
Es kann nur schief gehen.
Menschen mögen das nicht, wenn man ihnen sagt. Etwas anderes wäre aber besser für dich. Sie fühlen sich bedroht. Sie werden bedroht. Und es ändert nichts. Ich kann diese Angewohnheit nicht ablegen. Ich sage den Leuten, das und das wäre besser. Ich flüstere dabei sogar, damit es etwas softer rüber kommt. Und dann ärgere ich mich, dass ich mich schon wieder eingemischt habe.
Mein Freund kann das zum Beispiel überhaupt nicht leiden, wenn ich sage, dass er zu viel arbeitet. Er hat da regelrecht Panik davor, dass ich das sage und arbeitet dann noch mehr. Das tut ihm wirklich nicht gut. Nein.
Jemand anderes. Sie lebt in Umständen, die mir missfallen. Immer wieder. Ich habe geflüstert, ist der Feminismus komplett an dir vorbeigezogen. Wie bitte, hat sie gesagt und ihren Blick über die Ländereien schweifen lassen.
In jedem Fall nervt mich das selbst.
Aber es wäre doch so verdammt schön, wenn es allen gut ginge. Alleine gutgehen macht nur halb so viel Spaß.
Ich habe mit meiner Mutter darüber geredet, was Keine Schafe-Texte eigentlich für ein Genre sind. Wir waren uns nicht sicher. Sogar die Pferdewirtin wusste es nicht und die hat sowas studiert. Mit Master. Nicht so wie ich.
Ich kannte mal jemanden, der hatte auch keinen Master. Er war sowas wie mein Chef. Und wir kannten uns auch persönlich. Der wusste auch nicht, wie man richtig lebt. Dem habe ich das versucht klar zu machen. Ich habe mir die Zähne ausgebissen, sag ich dir. Ein andermal mehr.
Meine Mutter meinte irgendwann, Keine Schafe-Texte sind ein Ratgeber. An die Decke gegangen bin ich.
Wenn ich was nicht leiden kann, dann sind das Ratgeber.
Ich schreibe keinen Ratgeber. Nein.
Deine Texte sind kleinere und größere Wahrheiten und Weisheiten. Offenbarungen, lautgewordene Geheimnisse. Erkenntnisse. Hinterfragte Floskeln. Liebeserklärungen. Witzigkeiten.
Danke Ragusa. Manchmal möchte ich die Buchstaben in deinen Texten sein. So doll finde ich die. Nein, gehaltvoll meine ich. Sättigend und unverhüllt.
„Manchmal möchte ich die Buchstaben in deinen Texten sein.“ Mit dem Satz hast du dich jetzt leider als höchst schreibbegabt geoutet 🤭😅🥰
DANKE DANKE DANKE!
Was für Worte!
Du bist so ein Goldschatz! 😭
❤❤❤