Infinity

Ich bin keine gute Reiseautorin. Ich nehme mir vor, jeden Tag zu schreiben  –  und tu es dann nicht. Aber was soll ich sagen. Es war viel los. Ich habe mich mehr oder auch weniger freiwillig kopfüber ins Getümmel gestürzt. Beinahe ohne Rücksicht auf Verluste. Außer beim Essen. Da bin ich vorsichtig gewesen. Hat sich bewährt.
Wenn ich euch jetzt sage, wo ich gerade bin, bekommt ihr ein falsches Bild.
Was solls.
Nachdem ich heute königlich frühstückte, an meiner anderen Literatur schrieb und mir eine Massage gönnte, sitze ich nun am Infinitypool (darauf hat mich erst die Hebamme aufmerksam gemacht, auf das Infinity) und schreibe.
Hinter dem Infinitypool ist der Fluss. Abgetrennt wird das Ganze von einer Reihe hochgewachsener Palmen. Zu meiner rechten Seite  – auch Palmen. Dahinter das Hauptgebäude. Orangene Steine, rote Dachziegel. Daneben große Bäume. Ich kenne ihren Namen nicht. Auf der anderen Seite des Pools eine Gruppe Engländer:innen in Badanzug und Badehose. Ausnahmslos sind sie in ihre Bücher und E-Reader vertieft.
Ich musste heute weinen, weil es so schön ist. Dabei war der Plan ein anderer. Er hat sich zweimal geändert. Eigentlich sollte ich jetzt schon proben. Dann hat sich was dazwischengeschoben. Dann sollte ich mit auf Reisen gehen. Das hat sich als zu kompliziert herausgestellt. Dann sollte ich da bleiben, wo wir proben.
Am Tag davor war das Haus hellhörig und ich habe gedacht, nein, ich möchte keine zwei Tage alleine hier sein. Also habe ich das Hotel gebucht. 
Das Hotel zu buchen, war eine gute Idee. Es hat einiges in Schwung gebracht und mich wieder daran erinnert, dass ich mich entscheiden kann. Dass ich es liebe, das Leben zu genießen.
Man sollte nicht zu sehr versuchen, eine andere Person zu sein, als die, die man ist. Damit beeindruckt man niemanden.
Also bin ich plötzlich mitten im Luxusurlaub gelandet. Mal wieder.
Vermisse die Pudels, aber die sind in guten Händen bei der Pferdewirtin. Sie hat mir heute gesagt, dass sie doch ganz besonders feine Kerlchen sind. Sie ist regelrecht beeindruckt von ihnen. Und das heißt was. Die Pferdewirtin ist mit ihrem kritischen Blick wahrlich nicht leicht zu beeindrucken.
Wobei  –  von der Tatsache, dass ich im Luxusurlaub gelandet bin, ist sie beeindruckt. Sie hat sowas gesagt wie, dafür liebe ich dich. Schön, wenn man geliebt wird, wenn man der eigenen Natur folgt. Sollte ich öfter probieren!
Über den Lärm habe ich nichts geschrieben.
Es ist laut hier. Ich weiß nicht, woher der Lärm kommt. Und trotzdem ist es ein ruhiges Plätzchen. Der Infinitypool. Auf dem Bild siehst du ihn. Und den Fluss und paar Palmen und mich. Beinahe hätte ich das Bild weggelassen. Ich hab es ja oben beschrieben. Die Engländer:innen sieht man nicht.

Ragna

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