Dinge verändern sich. Das ist im Leben so. Man beobachtet das überall.
Gestern hatte ich eine hitzige Diskussion. Es ging um das Thema Kunst. Ob man in seinem Künstlersein verletzbar ist. Ich denke ja.
Bei mir in der Familie ist das eine Art Tradition. Frauen, die Künstlerinnen sind oder es eigentlich werden wollten und dann kommen da die anderen Dinge. Wie Männer oder Kinder. Oder sonst was. Meine Oma zum Beispiel wollte Schauspielerin werden. Dann hat ihr Mann ein Kinderdorf gegründet. Ihre Bühne war dann der Haushalt. Sie hat über 50 Kinder groß gezogen. Tosender Beifall. Sie ist nur ein Beispiel.
Mir wäre das beinahe auch passiert. Ich wollte Schauspielerin werden und dann habe ich mich dagegen entschieden. Nicht wegen einem Kinderdorf. Vielleicht einfach aus Traditionsbewusstsein. Ich weiß es nicht. Jedenfalls hat mir das Leben einen kräftigen Denkzettel verpasst. Ich habe vor beinahe fünf Jahren solche gesundheitlichen Probleme bekommen, dass ich alles über den Haufen werfen musst. Ich habe im ersten Moment alles verloren, was mir irgendwie Spaß gemacht hat. Inklusive einer Perspektive. Mein Körper hat nicht mehr mitgemacht. Er hat sowas gesagt wie nein, du hast zu lange weggeschaut. Du hast von mir zu viel für andere gegeben und zu wenig für dich genommen. Du hast mich verraten. Mich klein gehalten und unterdrückt.
Nach dem Kampf kam die Akzeptanz. Dann hat mich der Anwalt des Schmerzes gefragt, wo ich mit meinem Körper so sein darf wie ich bin. Die Antwort war die unbequemste, die ich mir nur hätte ausmalen können. Die Kunst. Darstellende Kunst. Schauspiel. Bewegung.
Und dann kam das Leben und mit ihm der Ruf der Schafe. Er hat dazu geführt, dass ich heute, genau ein Jahr später, Dinge tue, die mir zeigen, dass die Antwort gestimmt hat. Meine Schmerzen sind nicht weg. Nein. Aber ich bin nicht mehr falsch. Und ich lebe.
Ich habe das meinen Pudels gesagt. Ich habe gesagt, ich spiele jetzt die Hauptrolle. Sie haben genickt und es sich bequem gemacht und ausgeschnauft.
Ein Künstlerherz kann verletzt sein, das denke ich, ja. Aber man kann den Keller entrümpeln. Oder den Dachboden. Je nachdem. Wenn man es fühlt.
Auf dem Bild siehst du, wie ich einen Blumenkranz auf dem Kopf habe. An meinem dritten Geburtstag. Meine Mutter hat uns immer Blumenkränze zum Geburtstag geflochten. Damit wir nicht vergessen, dass die Welt ein guter Ort ist.