Ich hatte viele Dinge im Kopf, über die ich schreiben wollte. Ich wollte sogar schon eine Liste machen. Hab einigermaßen alles wieder vergessen. Bin absolut kein Typ für Listen. Ich lag letzte Nacht wach und hatte jede Menge Textteile im Kopf. Vielleicht bekomme ich was zusammen.
Es ist eine Nacht später.
Ich sitze auf dem Beifahrersitz. Das Meer im Rücken.
Ich habe darüber nachgedacht, was für eine Art Urlaub ich machen würde, wenn Geld keine Rolle spielen würde. Und Umweltfragen auch nicht. Ich habe gedacht, so eine Insel wäre toll. Wo nicht viel los ist. Palmen, Sand. Mit allem Komfort, den man sich so wünschen kann.
Ein Schritt zurück.
Neben uns auf dem Parkplatz in den Dünen stand eine Familie. Mein Freund meinte, dass das doch toll wäre, für die Kinder. Ich habe kurz drüber nachgedacht und mich erinnert, dass ich das als Kind wahrscheinlich furchtbar gefunden hätte. Ich mochte solche Sachen gar nicht. Zelten und sowas. Wandern. Und dann habe ich mich gefragt, wie es passieren konnte, dass ich mit nem Bus auf nem Parkplatz in der Pampa lande.
Ich habe dann gedacht, ok, das ist meine zweite Wahl. Ist zwar das Gegenteil von meiner ersten, aber auch gut. Vielleicht doch eine Frage des Geldes.
Ich habe mich mit dem Schafpudel darüber unterhalten. Wir sind den Fahrradweg entlang gelaufen. Unsere Lieblingsstrecke. Unsere Oase in der Wüste der freilaufenden Hunde. Nur Sportler:innen, keine Hunde. Wir haben uns sportlich und diszipliniert gefühlt. Der Schafpudel war in seinem Element.
Ich hab ihn gefragt, wie er das sieht mit dem Geld. Er meinte, dass das alles Ansichtssache sei. Deine Ansicht, meinte ich. Du schaust nicht genau hin, Mädchen, meinte er. Geld ist dazu da, um Verbindung zu schaffen. Was willst du in der Karibik? Was willst du auf diesem Parkplatz?
Ich habe mit den Augen gerollt. Das mit der Verbindung hatte er sich definitiv bei meinem Freund abgehört. Der erzählt andauernd solche Sachen.
Jedenfalls haben wir dem Meer den Rücken gekehrt. Wir sind von der Autobahn gefahren. In ein Dorf. Weil ich Kaffee wollte. Wir haben nicht nur Kaffee bekommen, sondern eine Begegnung. Ich habe mich plötzlich frei gefühlt. War gerührt.
Der Schafpudel hat sich das angeguckt und den Kopf geschüttelt. Er wusste die ganze Zeit, was los war.
Wahrscheinlich ist es egal, ob man Fünfsterneurlaub macht oder auf einem Parkplatz steht. Wenn man auf Orte und Menschen trifft, die vergessen haben, dass Dinge wie Beliebigkeit oder Funktion nicht das Leben sind, oder – um meinen Freund zu zitieren – Orte, wo sich Kapitalismus und Materialismus die Hand geben – vergisst man schon mal, dass man frei ist, Entscheidungen zu treffen, dass man berührbar ist und leicht. Und dass man das Leben lieben kann.
Auf dem einen Bild siehst du, wie ich mit einem Buch durch den Ort laufe. Ich habe es mir aus dem Bücherregal genommen. Das Bücherregal war eine englische Telefonzelle. Drum rum waren viele Blumen. Wir hatten das erste Mal die richtige Kamera dabei.
Auf dem anderen Bild siehst du, wie ich mich erschreckt habe, weil die Kirchenglocke geläutet hat. Im selben Moment musste ich anfangen zu lachen.

Nachtrag: In dem Buch aus dem Bücherregal hat der Verfasser vorne was reingeschrieben. Haben wir erst am nächsten Tag entdeckt. Dachte noch, vielleicht ist da Geld drinnen versteckt oderso.
Ich liebe die Liebe. Dabei vergesse ich manchmal das Leben.
Das lassen wir so stehen!