Für Dich

Man hört selten was von mir, wenn ich Schmerzen habe. Schreib dann nicht, weil es sie teilweise schlimmer macht.
Muss trotzdem kurz schreiben. Vermiss meine Keineschafe.
Nur kurz.
Die Schmerzen sind in meinen Armen. Sie fangen in den Schultern an und wenn ich zu lange nicht auf sie höre, gehen sie in die Arme über. Sie fühlen sich an wie kleine Stromschläge. Ein ziehen. Säuerlich. Wie kleine brennende Flammen, die in meinen Armen sitzen. In den Fingern. Gerade merke ich es in den Fingern, weil ich mit denen tippe. Und in den Schultern. Sie halten fest.
Wollte eigentlich was ganz anderes sagen.
Nämlich, dass es mehr Spaß macht, wenn man das Leben so annimmt, wie es ist. Wenn es quasi am Leben bleiben darf. Wenn man zum Beispiel damit lebt, dass die Arme manchmal weh tun. Oder dass der Schafpudel wilder ist als alle anderen. Dafür hat er auch mehr Esprit. Die Dinge haben in der Regel mindestens zwei Seiten.
Ich schreibe immer davon. Weil es ein Thema für mich ist. Man macht oft Dinge, die Thema für einen sind, denke ich. Mein Freund ist zum Beispiel Bankdirektor.
Ich atme in meinen Schmerz. Versuche ihn zu verstehen, statt ihn auslöschen zu wollen. Die Dinge sind für einen. Nicht gegen einen.

Auf dem Bild siehst du, wie die Pudels und ich es uns bequem gemacht haben. Wir genießen den ländlichen Spätsommerabend. Das Bild hat die Pferdewirtin aufgenommen.

Ragna

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