Sitz in meinem alemannischen Omacafé. Der Schafpudel hat mir schon seit Tagen in den Ohren gelegen und meinte, wann gehen wir mal wieder aus, mir fällt die Decke auf den Kopf. Du machst nur noch Sachen, zu denen ich nicht mit kann und lässt mich hier mit dem Spitz versauern, mir reichts! Stimmt, habe ich gesagt, tut mir leid. Ich werde mich bessern. Also sitzen wir in dem Café wo Hunde mitdürfen und machen einen guten Eindruck. Der Schafpudel liegt in der Nähe der Damentoilette und genießt die Aufmerksamkeit, die er damit erregt, dass alle einen großen Schritt über ihn machen müssen. Ab und an geht mir bisschen die Pumpe, wenn die WC Besucherinnen sich tief zu ihm runter beugen, aber in der Regel wird niemand angegriffen.
War am Wochenende tanzen. Die geneigte Leserin weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist, dass ich wieder tanze. Außerdem habe ich ein Visionboard gemacht. Meine Mutter hat mich ausgelacht. Sie hält nichts von solchen Sachen.
Jedenfalls sind meinen Visionen fürs neue Jahr eindeutig: die große Bühne, die Freundschaft und die Romantik.
Ich bin eine Frau der Tat und habe schon begonnen, meine Visionen umzusetzen, jedenfalls teilweise.
Zum ersten Punkt komme ich gleich. Den zweiten verfolge ich wie eine Besessene. Treffe jeden Tag wie verrückt Leute. Zum Beispiel einen Prinzen, der zwei Häuser weiter wohnt.
Punkt Nummer 3 ist auch aufgegleist in Form einer Hochzeit.
Also die Nummer 1, die große Bühne. Ich träume von ihr. Ich habe Ängste, Sehnsüchte, Hoffnungen. Sie fühlt sich weit weg an. Werde ich sie berühren, wenn sie mich doch so sehr berührt?
Mein Perfektionismus spielt mir Streiche, die mich davon abhalten, nächste Schritte zu wagen, auf dem Weg zur großen Bühne, so meine Diagnose.
Wir behalten das im Auge. Entspannen uns, schreiben einen Keineschafetext, an dem wir sehen können, dass Menschlichkeit spannender ist als Perfektion.