Gestern war mein Geburtstag. Ein Tag mit Höhen und Tiefen. Von vorne.
Es war in letzter Zeit ruhig geworden um den Schafpudel. Das lag vor allem daran, dass er extrem nett geworden war. So ein Hund, den man sich wünscht. Der überall mitkommt, freundlich ist, entspannt. Ja, so war er geworden. Keine Beschwerden. Die ganze Arbeit hatte sich ausgezahlt. Es war kein Selbstläufer, nein.
Jedenfalls war ich vor kurzer Zeit für eine Woche weg. Als ich wieder kam, war der Schafpudel ein anderer. Er hatte die Nachbarskatzen im Visier. Er wollte sie alle umbringen, denke ich. Ich habe gesagt, hör auf damit, Schafpudel. Er wollte nicht aufhören.
Wir sind dann in den Urlaub gefahren. Der Schafpudel hat ne tolle Box gebaut bekommen in dem Bus. Damit er mit dem Spitz gut da drinnen bleiben kann.
Ich hätte längst einen Schrank haben können, aber nein, die Box hatte Priorität.
Da, wo wir im Urlaub sind, lassen die Leute tendenziell ihre Hunde frei laufen. Ich habe zwei Exemplare, die das übel finden. Die gehören angeleint, rufen die Pudels im Chor. Weg mit denen.
Paar Leute haben mir zum Geburtstag gratuliert und sowas gesagt wie, schöne Zeit mit deinen Liebsten und deinen Hunden.
Der Tag fing damit an, dass der Schafpudel mir einen Zehnagel abgebrochen hat und endete mit einem abgerissenen Fingernagel.
Ich weiß, dass er solche Dummheiten nur macht, wenn ich nicht präsent genug bin.
Ich weiß, dass sich meine Präsenz irgendwo zwischen Uelzen und Frankfurt verabschiedet hat.
Warum?
Weil jemand Sachen gesagt hat wie, now we do the earth fucking movement. Oder feel the warm bread in your chest. Jemand anderes wollte unbedingt, dass alle möglichst viele Äpfel essen. Noch jemand anderes ist nicht eingeschritten, um das alles zu unterbrechen. Ich hatte was anderes erwartet. Und wollte es nicht wahr haben. Immerhin sind das richtige Schauspieler.
Ich wäre gerne mutiger und würde mehr darauf hören, wenn ich spüre, dass mir etwas nicht gut tut. Oder, wenn etwas vielleicht sogar wirklich seltsam ist. Man bekommt die Quittung eh. Zum Beispiel in Form eines wildgewordenen Schafpudels, der kein anderes Lebewesen mehr duldet. Nur weil man sich selbst ein Stück weit verraten hat.
Wir bekommen das wieder hin.
Ich hab geweint an meinem Geburtstag. Und mit dem Weinen kam auch die Einsicht über die Umstände.
Ich übe jetzt wieder das Neinsagen mit dem Schafpudel. Das ignorieren von gesellschaftlichen Erwartungen. Da ist und bleibt er der beste Lehrer.
Auf dem Bild siehst du den Schafpudel, wie er auf einer Düne steht. Sein Fell weht im Wind. Die Luft ist rein. Im Hintergrund sieht man den Spitz. Er liebt den Sand.