Drahtseilakt

Ich habe jemanden getroffen, der wirklich was kann. Er hat mir gesagt, ich müsse mir mehr vertrauen. Im Grunde hat er, der Könner, es nicht einfach nur so gesagt, nein, er hat mir dabei einen Schlag auf mein Bein verpasst, dass es nur so schepperte und laut gesungen, du musst dir vertrauen, du hast Talent. Oder sowas in der Art.
In dem Moment kamen bei mir alle Zweifel dieser Welt hoch. Mein Körper meldet das.
Mir ist das passiert, dass ich nicht gut auf ihn gehört habe, was schließlich dazu geführt hat, dass es mir sehr lange sehr schlecht ging. Ich habe mein Vertrauen verloren. Nicht nur in meinen Körper, sondern auch in mich, beurteilen zu können, was zumutbar ist und was nicht. Ein Drahtseilakt. Es gibt da eine Art Abwärtsspirale, habe ich beobachtet. Wenn man sich immer weniger zumutet. Das ist ungefähr genau so fatal, wie sich zu viel zuzumuten.
Ich bin jedenfalls krank geworden, was schon mal vorkommt, wenn einen was bewegt. Statt mich jetzt zu fragen, ob man das so schreiben kann, könnte ich eine schillernde Beschreibung davon folgen lassen, was mir in den letzten Tagen widerfahren ist. Wie mir der Schweiß stundenlang über die Stirne rann, weil ich mit Grippe beinahe meinen Zug verpasste und lauter unterhaltsames Zeug. Aber nein, ich frage mich, ob ich das so schreiben kann. Und ich weiß es nicht. Auch das weiß ich nicht. In der Unsicherheit geht mal eben die Lust an der Leichtigkeit flöten.
Vielleicht gibt es keine perfekte Lösung. Vielleicht muss man mit Risiken leben. Und dabei mit sich im Gespräch bleiben. Sich selbst zuhören. Die Fragen aufkommen lassen, die sich erst stellen, wenn die Dinge nicht funktionieren. Und im Grunde eben das aushalten. Die Antworten kommen lassen. Oft kommen sie aus dem Körper selbst, habe ich beobachtet. Am Ende weiß er nämlich doch, was das Beste für uns ist. Vielleicht aber auf eine andere Art, als wir uns vorstellen.
Was das Vertrauen angeht – mal sehen.

Kein Foto. Handy noch immer kaputt. Ersatzhandy macht üble Fotos (sorry Jori). Zu faul für die richtige Kamera.

Ragna

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