Hab mich aus gegebenem Anlass mit meinen ersten Keineschafetexten beschäftigt.
Ich habe vor anderthalb Jahren mit den Texten begonnen und ich muss sagen, liebe Freunde, sie haben sich verändert. Aus jedem Satz der ersten Texte spricht Unsicherheit. Ich rechtfertige mich im Grunde für jeden Buchstaben.
Ob es Spaß macht das zu lesen? Geht so.
Aber es macht Spaß zu sehen, dass ich mich verändert habe. Neunzig Texte später schreibe ich besser. Meine Texte klingen geformter, vielschichtiger und der weinerliche Unterton hat abgenommen.
Woran das liegt?
Ich hab geübt.
Und ich habe mich verändert. Mit dem Schreiben geht einher, dass ich mich aus meinen Beschränkungen und Vorstellungen befreie. Dem Rufe der Schafe folgend, habe ich begonnen, die Erwartungen anderer Leute hinter mir zu lassen und zurück zu meinem Künstlerherz zu finden.
Ich bin immer noch am Anfang, aber ich habe dennoch schon ein ordentliches Stück zurückgelegt. Das kann man daran erkennen, dass meine Texte anders klingen.
Fortschritt ist nichts für Weicheier, denke ich. Hab das die letzten zwei Wochen andauernd gedacht. Der Lehrer hat mich an meine Grenzen gebracht. Aber am Ende der Woche stand ich auf der Bühne und habe vergessen, dass ich English spreche und dass ich mal sowas wie eine Auftrittsangst entwickelt hatte.
Ich will mehr davon, habe ich nach der Aufführung gerufen.
Ich weiß, dass es mir beim nächsten Mal wieder an Kopf und Kragen gehen wird, aber was solls. Ich bin doch ein Mensch. Etwas zu lernen ist vielleicht nicht nur bequem. Und man muss in Kauf nehmen, dass es holprig zugeht. Dass ein Text komisch klingt und dass eine Bewegung unbeholfen ist. Und dass dann der Lehrer kommt und einen so lange durch London jagt, bis man einsieht, dass jede Ausrede nur sagt, dass man seinen Job nicht machen will. Und dass diese Ausreden die dicken Wolken sind, die einen davon abhalten, seinen Träumen zu folgen. Sie haben viele Gesichter, diese Wolken. Obacht.
Ob ich jetzt alle alten Texte lösche? Ich bin noch nicht sicher. Eventuell ein paar.
Ohne sie gäbe es diesen Text und dieses Bild nicht. Sie zeigen einen ehrlichen Weg. Und das ist ein bisschen wie das Leben, denke ich. Das heißt aber noch lange nicht, dass sie bleiben.
Auf dem Bild siehst du meinen Park in London. Es ist herbstlich und die Bäume leuchten golden. An dem Tag hatte ich die Aufführung. Ich glaube, das war einer der verrücktesten Tage überhaupt. Dazu bald mehr. Bitte erinnere mich dran, falls ich es vergesse.