Es ist spät und eigentlich sollte ich längst schlafen. Ich habe mir einen Essens- und Schlafplan gemacht. Alle Zeichen deuten darauf hin, dass ich bestrebt bin, eine vernünftige Person zu werden. Ich übe mich noch in der Umsetzung. Aber manchmal treffen die Dinge unvorhergesehen ein. Die geneigte Leserin wird wissen, dass wir das bis zu einem gewissen Grad lieben.
Jedenfalls, und ich will auch dich nicht weiter auf die Folter spannen, hat sich der Schauspieler gemeldet und gesagt, er fände den Film ganz nett. Er wäre nur noch nicht ganz sicher, worum es in dem Film geht.
Tja, denke ich, das weiß ich auch nicht so recht. Ich habe dann da noch mal mit dem Göga drüber geredet. Und der meinte auch, dass es nicht darum gehe, worum der Film geht.
Wir kommen hier nicht so recht vom Fleck. Wer meine Keineschafetexte kennt, weiß, dass in solchen Momenten niemand anderes ein besserer Ansprechpartner ist, als der Schafpudel selbst.
Schafi, sage ich, wie erklärt man das, dass es in dem Film nicht darum geht, worum der Film geht.
Ich muss kurz eine Fußnote setzen und sagen, dass auch der Schafpudel sich verändert hat. Er ist weniger flapsig in letzter Zeit und oft sogar wohlgesonnen. Ich sage das nur, damit mir nachher niemand unterstellt, ich hätte dem Schafpudel die Worte, welche auch immer sie sein werden, in den Mund gelegt!
Also.
Der Schafpudel schaut mich mit warmen, klugen Augen an.
Wer versteht das nicht?
Fußnote: Was habe ich gesagt? Er antwortet mit einer Gegenfrage! Das gab es noch nie!
Ich denke, die Leute verstehen das nicht, antworte ich.
Und? Fragt der Schafpudel.
(Noch eine Gegenfrage. Ich sag es ja.)
Naja, wie soll ich denen erklären, um was es geht?
Wie heißt denn der Film?
Diese Bilder.
Naja, dann sag doch, es geht um diese Bilder.
Ach Schafi, du verstehst sowas nicht.
Mädchen, du hast ein Problem. Lass die Leute doch verstehen oder nicht verstehen was sie wollen. Entweder sie strengen sich bisschen an oder sie lassen es. Wird ja wohl nicht so schwer sein. Diese Bilder… tss…
(Ah, das klingt bekannter, was?)
Du bist unmöglich.
Und trotzdem redest du mit mir. Wen hast du am liebsten?
Na dich.
Schau.
Hmm, murmle ich. Er hat ja recht.
Du musst nicht allen gefallen. Ich scheiß da drauf, wie die anderen mich finden.
Ich weiß.
Der Schafpudel hat sich auf die Seite gelegt und schläft weiter. Mit der Pfote tappt er gegen mich, damit ich ihn kraule.
Ich kraule eine Weile und schreibe dann auf:
In dem Film geht es um Berührung. Um den Versuch, indirekt zu sehen, weil indirektes Sehen uns entspannt und weil wir nur etwas fühlen können, wenn wir entspannt sind. Und es geht darum, dass jemand spielt und versucht, das Leben zu greifen und mit allen Sinnen den Moment aufzusaugen. Weil sie das Leben liebt. Und weil das in Bildern besser zu begreifen ist – als in Worten.
Weil, wer hat nicht den Schafpudel gesehen, wie er sich mit mir unterhält?
Bilder