People may say I can’t sing, but no one can ever say I didn’t sing.
Florence Foster Jenkins
Manchmal passiert es, dass man sich neu ausrichten muss. Das Leben sagt sowas wie, genug in die eine Richtung gerannt, halt inne und lass deinen Blick schweifen.
Da ich gut erzogen bin, bleibe ich stehen und lasse meinen Blick schweifen.
Vor mir ein Tal. Gut, denke ich, ich hasse es, bergauf zu gehen. Das zum Beispiel ist nichts, was mein Freund verstehen würde. Er liebt die Berge. Bergab, bergauf, er merkt im Grunde keinen Unterschied.
Ich blicke in das Tal. Ich sehe eine weinrote, gelbe, braune, schwarze und grüne Landschaft. Reich sieht sie aus.
Mein Blick schweift weiter, neben mir braust ein Schnellzug mit Höchstgeschwindigkeit vorbei. Ein Abteil nach dem anderen, alles wackelt und mir saust es in den Ohren. Benommen wende ich den Kopf in die andere Richtung. Ein Ozean. Grün, blau, türkis. Er bewegt sich in milden Wellen dahin, ohne Mühen. Aber beinahe eine träge Weite, ohne Horizont. Mein Blick verliert sich in der Weite, so weit, denke ich. Ich atme die frische Meeresluft ein. Höre mein Herz pochen.
Meine gute Erziehung sammelt meinen verlorenen Blick wieder ein. Ich richte ihn zurück auf das Tal. Sehe genauer hin. Erkenne Dinge, die schon mal da waren, die ich schon mal errungen habe, die mir schon mal geschenkt wurden.
Ich habe mir meine alten Texte noch mal genauer angeschaut. Mir sind paar Sachen klar geworden. Seit dem habe ich keine Angst mehr vor der Zukunft.
Während ich schreibe, liegt der Schafpudel mit seinem Kopf auf meinem Schoß. Er erinnert mich daran, dass es im Leben nicht darum geht, anderen zu gefallen. Auch, wenn die anderen einem viel bedeuten. Der Spitz liegt eingerollt neben mir. Er weiß sowieso, dass gutes Futter, Ruhe und Spielen die Grundlagen eines erfüllten Lebens sind. Das weiß er, der Spitz.