15.01.26  –  auch wenn ich nicht verstehe, wo all die Stunden geblieben sind  – Abu Dhabi

Ich bin auf dem Weg nach Indien. Da ich nun ein paar Mal gefragt wurde, ob ich darüber auch schreiben würde. Hier.
Ehrlich gesagt habe ich noch eine andere Notiz. Nicht für deine Augen. Bisher. Weil ich noch nicht weiß, was draus wird.
So ein Keineschafetext kann man mal eben aus dem Handgelenk schütteln und später dann unmotiviert runter lesen.
Also werde ich nun ein schriftstellerisches Parallelleben führen.
Falls diese Zeilen etwas wirr und ungelenk sind  – verzeih. Ich habe wenig geschlafen. Auch, wenn alles bisher sehr ruhig verlaufen ist. Erstaunlich ruhig.
Die Leute, die mich kennen, wissen, dass ich nicht unter Jetlag, sondern unter Wegfahrlag leide. Jedes Mal wenn ich verreise, holt mich eine Mischung aus Melancholie und Überaufregung ein, die mich letztendlich beinahe zur Erstarrung zwingt. Ich denke dann, dass ich die Kleinstadt nicht verlassen will. Obwohl ich mir in der Kleinstadt doch so viele Gedanken um die Körperhaltung machen muss (Stichwort: Körperhaltung. Darüber werde ich in nächster Zeit definitiv Genaueres schreiben!).
Jedenfalls bin ich bei dieser Reise erstaunlich entspannt. Obwohl es so weit weg geht. Und so viel Unbekanntes auf mich wartet. Dinge, die mein schriftstellerisches Doppelleben zum Blühen bringen könnten. Eventuell. Man weiß es nicht. Man weiß eh nicht viel. Man versucht viel zu erklären, die richtigen Worte zu finden, Theorien zu stricken, die dann auf wen auch immer drübergestülpt werden. Dabei ist das Leben so unendlich groß. So wild, so weit. Vielleicht majestätisch, wenn man will. Wir sollten uns vor unserer Majestät Leben verneigen. Es mit ein bisschen mehr Ehrfurcht betrachten.
Deshalb ziehe ich immer die Kunst anderen Dingen vor übrigens.
Weil ich dem Titel wenigstens ein bisschen gerecht werden will  –  ich habe nicht viel gesehen von Abu Dhabi. Nur ein paar Inseln, Hochhäuser und Autobahnen von oben
Ich bin im Flughafen geblieben. Habe geschlafen, den Gebetsraum für Frauen besucht, Kaffee getrunken und Farben vor meinem inneren Auge vorbeiziehen lassen. Alle großen Pläne  –  verworfen. Mein ganzes Entertainmentpaket im Handgepäck  –  für nix. Genau so wie die Jeans und der Windbreaker. Hab gehört, mein nächster Stopp ist warm.
Bis dann  –
R.

Auf dem Bild siehst du Wolken von oben. Keine Schafe in Sicht. Dafür Sand.

Ragna

Zurück nach oben